Aktuelles

Sonntag, 30. April 2017    um 19 Uhr,             Christuskirche Lörrach

60 Jahre Kantorei


Johann Sebastian Bach:
1685 – 1750


Gottfried August Homilius:
1714 – 1785


Johann Sebastian Bach:
„Christ lag in Todesbanden“
Kantate BWV 4


„Der Herr ist mein Hirte“
Motette für Chor und Basso continuo


„Osteroratorium“
Kantate BWV 249

Michaela Hauke – Sopran
Heike Werner – Alt
Ronan Caillet-Ménégoz – Tenor
Frederik Baldus – Bass
Dieter Lämmlin – Orgel

musica poetica freiburg
Kantorei Lörrach
Leitung: Herbert Deininger

Zu den Werken:

Die beiden Osterkantaten des heutigen Konzerts könnten unterschiedlicher nicht sein. Während die erste Kantate, ein Werk des jungen Bach, ganz in der Tradition des 17. Jahrhunderts steht, ist die zweite Kantate eine Komposition im Stile des 18. Jahrhunderts. Elemente der der italienischen Concertopraxis und der Oper wurden auch in die Kirchenmusik integriert.
J. S. Bach komponierte seine Kantate „Christ lag in Todesbanden“ um 1707/1708 also mit etwa 22 Jahren. Die genauen Umstände sind nicht geklärt. Formal folgt er dem damals üblichen Prinzip der Choralvariationen (Choralkonzert) „per omnes versus“. Als Textvorlage diente das bekannte Osterlied Martin Luthers, eine freie Nachdichtung der Ostersequenz „Victimae paschalis laudes“. Die bildreiche Sprache Luthers knüpft vielfach an biblische Vorstellungen an, besonders an die Osterepistel und ihren Vergleich Christi mit dem Osterlamm (Strophe 5) und der Aufforderung, den alten Sauerteig auszufegen (Strophe 7). Die Worte „den Stachel hat er verloren“ erinnern an 1. Korinther 15, 55 und die Erwähnung des Opferbluts, das unsere Tür zeichnet und damit den Würger abhält, geht auf den Bericht vom Auszug Israels aus Ägypten zurück. Besondere Bedeutung erhält in jeder Strophe das abschließende Halleluja. Damit folgt Bach dem Vorbild einer Kantate von Johann Pachelbel. Es liegt die Vermutung nahe, dass Bach diese Kantate kannte.
Die Kantate 249 unterscheidet sich von allen anderen Kompositionen Bachs dadurch, dass ihr eine gesungene, also nicht nur vom Evangelisten berichtete, Handlung zugrunde liegt. Man sollte die Kantate als „Osterspiel“ betrachten, eine alte Gepflogenheit, die Ostergeschichte szenisch darzustellen. Petrus (Tenor) und Johannes (Bass) eilen zum Grab (Satz 3). Dort haben sich bereits Maria Jacobi (Sopran) und Maria Magdalena (Alt) eingefunden und mussten erkennen, dass ihr Vorhaben, den Leichnam Jesu zu salben, vergeblich war (Satz 4) und dass statt der zugedachten Spezereien nur der Siegeslorbeer am Platze sei (Satz 5). Petrus und Johannes erfahren von Maria Magdalena, dass ihnen ein Engel die Auferstehungsbotschaft kundgetan hat (Satz 6). Petrus findet Jesu Schweißtuch und folgert, dass nun auch sein eigener Tod nichts anderes als Schlummer sein werde (Satz 7). Daraufhin wünschen sich die beiden Frauen, den Heiland bald wiederzusehen (Satz 8), denn ohne ihn fühlen sie sich, so wie Maria Magdalena in Satz 9, „ganz verwaiset und betrübt“. Johannes ruft zur Freude über die Auferstehung auf (Satz 10) und gemeinsam singen alle dem Herrn ein Danklied (Satz 11).
Verständlich wird der musikalische Gehalt der Komposition jedoch erst, wenn man sich vergegenwärtigt, dass wir mit dem Osteroratorium eine geistliche Parodie der 1725 für den Weißenfelser Hof komponierten Schäferkantate „Entfliehet, verschwindet, entweichet ihr Sorgen“ vor uns haben. Für die Umdichtung könnte Picander (Christian Friedrich Henrici) gesorgt haben, da auch er die Schäferkantate dichtete. Aus den Hirten und Hirtinnen, die Herzog Christian zum Geburtstag gratulieren, werden nun Jünger, die zum Grabe Jesu eilen.
Eingeleitet wird das Werk durch zwei Konzertsätze, vermutlich Zeugen einer verschollenen Instrumentalsinfonie der Köthener Zeit. Die übrigen Sätze haben gegenüber der Schäferkantate keine sehr tiefgreifende Änderung erfahren.
Zwischen den beiden Kompositionen von Bach erklingt eine Motette von Gottfried August Homilius, einem der bedeutendsten Dresdner Kreuzkantoren in der Nachfolge Heinrich Schützens, die dem heutigen Sonntag der österlichen Freudenzeit (Misericordias Domini) Rechnung trägt.

Herbert Deininger (nach Alfred Dürr)